1. Preis

H2M Architekten + Stadtplaner GmbH, Kulmbach mit DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen

Verfasser:

Prof. Stephan Häublein,
Dipl. Ing. Archichtekt
Christian De Buhr,
Dipl. Ing. Landschaftsarchitekt

Mitarbeit:

Marina Angermann
Dimitra Papadimitriou
Jonas Schergun

Hilfskräfte:

Hauck Modellbau

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Obergeschoss

Beurteilung des Preisgerichts

Die VerfasserInnen setzen eine angemessen proportionierte Bebauung mit Hofclustern in die Heterogenität des bestehenden Kontexts der altstadtnahen Bebauung am Stadteingang Volkachs. Die Arbeit weist einen hohen Ortsbezug auf, indem sie typologische und morphologische Bezüge zur örtlichen Bebauung aufnimmt.

In der Maßstäblichkeit angenehm differenzierte Baukörper bilden attraktive Außenräume. Der bestehenden Verwaltungsbau des Eikona-Gebäudes wird konsequent weiterentwickelt. Lediglich das südliche Punkthaus wirkt in der Fünfgeschossigkeit zu hoch. Die Differenzierung der Höhenentwicklung der Bebauung in Richtung Gewerbegebiet und Sommeracher Straße erschient dagegen angemessen. Besonders begrüßt wird der Erhalt des alten BayWa-Gebäudes, das einen Identifikationspunkt für das Quartier schafft, was durch die Anordnung öffentlicher Nutzungen noch unterstützt wird. Die geplante Aufstockung des BayWa-Turms kann eine Landmarke schaffen, wobei die Höhe im Weiteren noch zu prüfen ist. Positiv beurteilt wird auch die beidseitig angeordnete Allee in der Sommeracher Straße.

Der Wechsel aus Reihenhäusern und Geschosswohnungsbau verspricht ein vielfältiges Wohnungsangebot für unterschiedliche Lebenssituationen. Es entstehen vielversprechende Nachbarschaften, die ein generationen-übergreifendes Wohnen zulassen. Dabei ist auf eine angemessene Feinabstimmung zwischen dem Maßstab der Gebäudevolumen der Stadthäuser und des Geschosswohnungsbaus zu achten. Eine Besonderheit sind die transparenten Dachaufbauten, die zum Verweilen einladen und Möglichkeiten für gemeinschaftliche oder individuelle Dachgartennutzung bieten. Die differenziert gestalteten Fassaden lassen eine hohe architektonische Qualität erwarten (Sockel, gebänderte Holzfassaden, Gewächshäuser, Vordächer etc.). Der im südlichen Planungsgebiet angeordnete Agrarhub muss im folgenden hinsichtlich seiner Realisierbarkeit geprüft werden.

Durch die Gebäudepositionierungen entstehen zunächst ähnlich dimensionierte Freiräume, die jedoch geschickt zu differenzierten Raumabschnitten entwickelt werden. Während im Norden den Dienstleistungen zugeordnete attraktive Plätze entstehen, sind die Wohnhöfe als halböffentliche Quartierstreffpunkte ausgebildet, die eine gute Adressbildung der einzelnen Gebäude ermöglichen. Vermisst werden den Wohnungen direkt zugeordnete, private Freiflächen. Der als Retentionsraum vorgesehene Bereich entlang der Mauer zu den Gewerbeflächen ist dafür zu gering dimensioniert und mit zu dichter Bepflanzung funktional überfrachtet. Auf die Notwendigkeit einer attraktiven Gestaltung der begrünten Mauer wird hingewiesen.

Die Transformation der Sommeracher Straße zur Allee mit dem „Bürgertreff“ an der Kita und den Kurzparkplätzen an den Zuwegungen ist eine gelungene und ortsangepasste Weiterentwicklung des Ortseingangs.

In diesem Sinne ortsbildtypisch ist auch der Gedanke des „Agrarhubs“ im Süden, wo das Thema der Weinbau-gemeinde mit einer Weinbergs- und Obstbaumpflanzung sowie der Markthalle und Weinausschank verortet ist. Dies wird als passender und
wirkungsvoller Beitrag mit Bezug zur Weinbauregion gewürdigt, der im Folgenden hinsichtlich seiner Realisierbarkeit geprüft werden müsste. Ebenso müsste die an dieser Stelle vorgeschlagene Ausbildung eines Hügels mit den Anforderungen des Hochwasserschutzes abgestimmt werden.

Die vorgeschlagene Hybridbauweise aus Beton und Holz lässt einen hohen Vorfertigungsgrad und damit verbunden kurze Bauzeiten zu. Die Grundrisse und Erschließung sind wirtschaftlich organisiert. Die Gebäuderiegel entlang der Westgrenze des Planungsareals bieten einen wirksamen Schallschutz für die östlich anschließende Bebauung. Jedoch ist ein ausreichender Schallschutz für diese Gebäuderiegel bisher nur im Erdgeschoss durch die dort vorgesehene Abschirmwand gewährleistet. Für die Obergeschosse müssten passive Schallschutzmaßnahmen (verglaste Balkone, Wintergärten) entwickelt werden. Auf dem Areal des ehemaligen Gewerbebetriebs Natursteine Haupt wären aufgrund des Verkehrslärms der Dieselstraße zusätzlich aktive Lärmschutzmaßnahmen (z. B. Lärmschutzgrundrisse) vorzusehen.

Insgesamt stellt die Arbeit einen sehr wertvollen und zukunftsweisenden Beitrag für den südlichen Stadteingang von Volkach dar, da sie sehr situativ auf Besonderheiten des Planungsareals reagiert und daraus prägnante und reizvolle Orte schafft.

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