2. Preis

Steimle Architekten GmbH, Stuttgart mit GTL Michael Triebswetter Landschaftsarchitekt, Kassel

Verfasser:

Thomas Steimle, Dipl. Ing. Architekt
Michael Triebswetter,
Dipl. Ing. Landschaftsarchitekt

Mitarbeit:

Lukas Kapici, M. Sc.
Ignacio Almeria, M. Sc.
Leo Ritter
Sadik Deniz Akman, M. Sc.
Duy Phan Do, M. Sc.

Architekt:

Harald Noll, Dipl. Ing. Architekt,
Landschaftsarchitekt

Fachplaner:

Tragwerksplanung: Engelsmann Peters GmbH

Hilfskräfte:

Modellbau: Béla Berec
Visualisierung: VIZE s.r.o.

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Obergeschoss

Beurteilung des Preisgerichts

Beginnend im Norden mit dem Innovationshub als Anbau an das bestehende Eikona-Gebäude setzen die VerfasserInnen die städtebauliche Struktur mit einer 3-4-geschossigen Zeilenbebauung entlang der Gewerbefläche im Westen in überzeugender Weise fort. Diese findet ihren Endpunkt in der Lagerhalle der BayWa. Die gleiche Typologie wird für die räumliche Fassung des Straßenraums der Sommeracher Straße gewählt und in angemessener Form auf die gegenüberliegende Bebauung abgestimmt. Der Wechsel aus drei- bis viergeschossigen Baukörpern wirkt im Kontext des benachbarten Wohn- und Gewerbequartiers angemessen. Eine Tiefgarage erstreckt sich über das komplette Quartier, so dass alle Gebäude daran angeschlossen werden.

Zwischen den beiden Gebäudezeilen erstreckt sich ein öffentlicher Außenbereich im Wechsel aus Grünräumen und öffentlichen Plätzen, die die VerfasserInnen als Grüne Mitte im Quartier bezeichnen. Die angrenzenden Erdgeschossnutzungen (Dienstleistung, Büro und Gewerbe) entlang der Sommeracher Straße sowie die Bike Station im zentralen Quartierspavillon könnten eine Aktivierung der öffentlichen Räume bewirken. Jedoch wirkt das Angebot an fußläufigen Erschließungsachsen in Richtung Süden als überdimensioniert und wird für den Öffentlichkeitsgrad des neuen Quartiers als als unangemessen erachtet. Die westliche Erschließung vor der Promenade könnte im weiteren Verlauf der Planung auch in private Außenbereiche für die Erdgeschosszone umgenutzt werden.

Die drei- bis viergeschossigen Wohngebäude entlang der Sommeracher Straße dienen in den Obergeschossen vorwiegend dem Wohnen. Die Adressbildung erfolgt über die gewerbliche Nutzung im Erdgeschoss zu beiden Seiten. Die Obergeschosse sind als durchgesteckte Wohneinheiten organisiert. Zur Sommeracher Straße sind die Wohnungen mit einem Laubengang erschlossen. Dieser distanziert die Wohnungen einerseits sehr stark vom Straßenraum, ist aber gleichzeitig eine angemessene Reaktion auf die gegenüberliegenden Gewerbeeinheiten. Zum Quartiersplatz orientieren sich die Außenbereiche aller Wohnungen in Form von großzügigen Loggien.

Die Wohnbebauung entlang der westlichen Grenze ist über Laubengänge zum Gewerbe erschlossen, die gleichzeitig als Wintergarten dienen. Aus schallschutztechnischer Sicht ist dieser Vorschlag eine plausible Lösung. Aus brandschutztechnischer Sicht wäre die geplante Erschließungssituation in Bezug auf eine bauordnungsrechtlich konforme Ausführung sowie aus wirtschaftlichen und unterhaltstechnischen Gesichtspunkten zu überprüfen. Ein erster baulicher Rettungsweg wäre in dieser Form ohne weitere Anforderungen an die angrenzenden Bauteile nicht möglich. Zum zentralen Grünraum sind auch hier die privaten Außenbereiche in Form von Loggien angeordnet.

Nördlich der Ländestraße im schallintensivsten Bereich des Quartiers reagieren die VerfasserInnen mit einer Blockbebauung, in der Gewerbenutzungen und zugleich Wohnnutzungen angedacht sind. Ein Gebäude für die Kita schließt den Block zu den Gewerbeflächen der BayWa ab. Der Standort für Wohnungen wird aufgrund der Schallemissionen der Dieselstraße und des BayWa-Geländes kritisch gesehen. Auch die städtebauliche Lage der Kita wird an dieser Stelle in Frage gestellt.

Für den Ideenteil südlich der Ländestraße sind Flächen für die Jugend wie ein Skateplatz und Fahrradspielplatz vorgesehen. Die Fläche könnte in dieser Form weiterhin als Retentionsfläche dienen.

Die vorgeschlagene Schottenbauweise der Gebäude prägt und gliedert die Fassaden. Sie tritt in besonderer Weise im Bereich der Gebäudeeingänge in Erscheinung und hebt die Zugangsbereiche hervor. Gleichzeitig ergeben sich vielfältige Raumsituationen zum öffentlichen und privaten Außenraum. Die Loggien lassen eine gute Aufenthaltsqualität zum zentralen Freiraum erwarten. Die durchgesteckten Wohnungsgrundrisse ermöglichen eine hohe Wohnqualität mit einer guten Belichtung der Individualräume. Die Laubengänge sind abwechslungsreich gestaltet und bieten vielfältig nutzbare Aufenthaltsbereiche.

Die Gliederung der Baukörper im Dachbereich erfolgt durch halböffentliche Dachterrassen, die den Wohnungen zugeordnet sind. Alle Dächer sind als extensiv begrünte Flachdächer konzipiert, auf denen die VerfasserInnen auch die Möglichkeit der Photovoltaiknutzung vorsehen. Die Konstruktion aus einem massiven Teller aus Stahlbeton und aufgesetzter Bauweise aus Brettsperrholztafeln und Modulen lässt eine wirtschaftliche und nachhaltige Ausführung erwarten. Lediglich im Bereich des Wintergartens auf der Westseite sind höhere Baukosten zu erwarten.

Durch die Riegelbebauung entlang der Westgrenze wird eine gute Schall-Eigenabschirmung und Abschirmung des östlichen Plangebiets erreicht. Die Wohnbebauung nördlich der Ländestraße ist erhöhten Schallimmissionen ausgehend vom BayWa-Areal und der Dieselstraße ausgesetzt und muss aktiv (z. B. durch Lärmschutzgrundrisse) geschützt werden.

Insgesamt handelt es sich bei dieser Arbeit um einen sehr guten, bis ins Detail ausgearbeiteten Beitrag zur gestellten Aufgabe, der Fragen zum passenden Erscheinungsbild der öffentlichen Freiräume und zum angemessenen Umgang mit ortstypischen Merkmalen im heterogenen Umfeld des Planungsareals aufwirft.

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