3. Preis

GKP Architekten GmbH Braunschmidt | Kurz, Würzburg mit Adlerolesch Landschaftsarchitekten GmbH, Nürnberg

VerfasserIn:

Birgit Braunschmidt, Architektin
Ben Warnecke, Landschaftsarchitekt

ArchitektIn:

Aleksandra Funck,
Architektin u. Stadtplanerin
Maria Elger, Architektin
Nella von Brandenstein, M.A.Arch
Patric Peters, Landschaftsarchitekt

Hilfskräfte:

Moritz Rogalla
Stefan Sauer

Grundriss Erdgeschoss

Grundriss Obergeschoss

Beurteilung des Preisgerichts

Die Arbeit zeichnet sich durch eine sehr gut nachvollziehbare städtebauliche Gesamtkonzeption aus. Zwei lineare raumbildende Zeilen nehmen die Richtungen der alten und neuen Sommeracher Straße auf. Sie bilden Raumkanten, die einen qualitativ hochwertigen Innenbereich aufspannen. Dieser wird durch gegeneinander gesetzte, U-förmige und L-förmige Gebäudestrukturen gegliedert. Somit entsteht eine Abfolge von differenzierten Innenhöfen auch unter Einbeziehung des Bestands. Die lineare Fassung der Sommeracher Straße wird grundsätzlich positiv bewertet. Allerdings passen die Volumetrie und Erschließungstypologie der Gebäude auch hinsichtlich ihrer baulichen Tiefe nicht zum Kontext der gegenüberliegenden Bebauung.

Das Angebot an differenzierten Freiräumen im Quartier ist vielfältig ausgebildet. Der Eikona-Platz erhält durch den Gebäudeversatz des Neubaus eine schlüssige Raumkante. Die 4 Ost-West Achsen, die auch der Erschließung des Quartiers dienen, bilden attraktive Verbindungen zum neuen rückwärtigen Fuß-und Radweg, der jedoch nur als langfristige Option vollständig durchgängig umsetzbar ist. Durch die um ca. 12 m nach Osten vom Gewerbe abgerückte Bebauung entsteht ein den Wohnräumen zugeordneter Freiraum, der im EG trotz der Nachbarschaft zum Einzelhandel nutzbar erscheint. Die Ausrichtung der Wohnbereiche und Balkonzonen in diesen Grünraum ist zwar nachvollziehbar, aufgrund der Schallbelastung aus dem westlich angrenzenden Gewerbegebiet jedoch zu hinterfragen.

Hinsichtlich der Wohnqualität werden die vorgeschlagenen Staffelungen innerhalb der blockartigen Strukturen positiv bewertet. Die Nutzungen der Dachflächen mit Penthäusern und Gemeinschaftsbereichen sowie die Orientierung der Wohnräume nach Westen und Süden in die grünen Innenhöfe birgen hohe Qualitäten. Die Innenhöfe sind gut dimensioniert und ermöglichen eine gute Eingangs- und Adressbildung sowie einen angenehmen, geschützten halböffentlichen Raum mit Spiel- und Aufenthaltsqualität.

Der hohen gestalterischen Qualität der Außenräume steht leider eine Fassadengestaltung entgegen, die auch in der Wahl der Materialien austauschbar wirkt. Ein Bezug zum baulich historischen Kontext von Volkach ist nicht zu erkennen. Durch die Vielzahl an Laubengängen sowohl in den Innenhöfen als auch entlang der Sommeracher Straße entstehen unattraktive Vorderseiten der Gebäude. Zudem müsste die Rettungswegführung über die Laubengänge im Zuge der weiteren Projektentwicklung im Hinblick auf eine bauordnungsrechtlich konforme Ausführung geprüft werden.

Die Grundrisse sind gut strukturiert. Auch der differenzierte Umgang mit unterschiedlichen Nutzungen in der EG-Zone wird positiv bewertet. Zudem lässt die kompakte Bauweise auf eine wirtschaftliche Realisierbarkeit schließen. Auch die angebotenen Penthäuser wirken sich positiv auf die Vermarktung aus. Das Konzept der Tiefgarage und deren Erschließung überzeugt jedoch im Hinblick auf seine Wirtschaftlichkeit nicht.

Die Gebäuderiegel im westlichen Bereich des Plangebiets leisten eine gute Eigenabschirmung und eine gute Abschirmung der sich östlich anschließenden Höfe. Die Distanz zwischen den Gewerbebetrieben und der Wohnbebauung reicht für den Lärmschutz aber nicht aus, so dass an den Westfassaden zusätzliche (passive) Lärmschutzmaßnahmen
(z.B. verglaste Balkone, Wintergärten) notwendig wären. Die Bebauung auf dem Areal des ehemaligen Gewerbebetriebs Natursteine Haupt ist hohen Schallimmissionen ausgehend von der Dieselstraße und dem BayWa-Grundstück ausgesetzt und müsste zusätzlich aktiv (z. B. Lärmschutzgrundrisse) geschützt werden.

Auch aufgrund des Schallschutzes wird der Vorschlag zur Anordnung von Tiny-Houses im Ideenteil südlich der Ländestraße sehr kritisch bewertet. Die durchdachte Regenwasserbewirtschaftung mit dem Retentionsteich an dieser Stelle wird hingegen als wichtiger Beitrag gewürdigt.

Insgesamt zeigt die Arbeit eine Reihe von interessanten Lösungsvorschlägen, die vor allem auf der Maßstabsebene des Städtebaus und des Freiraums wertvolle Qualitäten aufweisen.

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